Die „FortiBleed“-Folgen: Wie 75.000 Firewalls zum offenen Tor für Hacker wurden
TL;DR
Die „FortiBleed“-Folgen: Wie 75.000 Firewalls zum offenen Tor für Hacker wurden
Es ist das Albtraumszenario, das CISOs um den Schlaf bringt: Eine massive, automatisierte Kampagne namens „FortiBleed“ hat effektiv das Eingangstor zu 75.000 Fortinet-Firewalls weltweit aufgestoßen. Wir sprechen hier nicht von einem Nischen-Exploit. Dieser Vorfall hat etwa die Hälfte der gesamten internetseitigen Fortinet-Infrastruktur kompromittiert und Netzwerke in 194 Ländern weit offen gelassen.
Die Mechanismen des Einbruchs sind erschreckend simpel. Angreifer suchen nicht unbedingt nach Zero-Day-Exploits im Code; sie suchen nach Zugangsdaten. Indem sie administrative Konfigurationsdateien abgriffen, konnten sich diese Akteure mit den Schlüsseln zum Königreich Zugang zu Unternehmensnetzwerken verschaffen.
Sicherheitsforscher bei Kudelski Security haben das Ausmaß der Zerstörung verfolgt, und die Zahlen sind erschütternd. Wir sprechen von über 73.000 einzigartigen Firewall-URLs und mehr als 21.000 Domains, die ins Visier geraten sind. Das schiere Volumen des Angriffs – 1,16 Milliarden Anmeldeversuche gegen FortiGate-Ziele und weitere 2,1 Milliarden gegen MSSQL-Server – verdeutlicht das Ausmaß dieser Operation. Dies ist kein chirurgischer Schlag; es ist eine flächendeckende Bombardierung.
Die Liste der Opfer liest sich wie ein Who-is-Who der Fortune 500: Samsung, Comcast, Foxconn, Siemens, Lenovo, PwC, Accenture und Oracle. Und es kommt noch schlimmer. Ein türkischer NATO-Verteidigungsauftragnehmer soll geheime Dokumente verloren haben, nachdem seine Infrastruktur kompromittiert wurde. Der gemeinsame Nenner? Die meisten dieser Geräte hatten ihre FortiGate-Management-Schnittstelle für das öffentliche Internet freigegeben. Im Jahr 2026 sollte man eigentlich wissen, dass dies ein Fehler ist, aber hier sind wir nun.

Das „Patching-Paradoxon“
Warum geschah dies in einem so massiven Ausmaß? Es läuft auf eine tückische Falle hinaus, die Forscher als „Patching-Paradoxon“ bezeichnen.
Fortinet hat seine Speicherung von Zugangsdaten schließlich auf den robusten PBKDF2-Hashing-Algorithmus umgestellt. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht? Das Update hat bestehende Passwörter nicht rückwirkend neu gehasht. Wenn Sie Ihre Firmware aktualisiert, sich aber nicht manuell angemeldet haben, um ein Passwort-Reset auszulösen, blieben Ihre Zugangsdaten im alten, anfälligen SHA-256-Format gefangen.
Es ist ein klassischer Fall von „einmal einrichten und vergessen“, der sich nun rächt. Administratoren gingen davon aus, dass das Update sie kugelsicher macht, aber die alten Hashes lagen weiterhin dort und warteten darauf, geknackt zu werden.
Hudson Rock hat Daten bereitgestellt, die zeigen, wie leicht diese Konfigurationsdateien ihre Geheimnisse preisgaben. Die Angreifer, wahrscheinlich ein hochentwickeltes russischsprachiges Syndikat, mussten keine Genies sein. Sie brauchten lediglich einen leistungsstarken 45-GPU-Cluster, um diese alten Hashes zu knacken. Sobald sie die Zugangsdaten hatten, war die durch Standard-Passwortkomplexität gebotene „Sicherheit“ völlig irrelevant.
Der Schadensbericht
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Gesamtzahl betroffener Geräte | ~75.000 |
| Globale Reichweite | 194 Länder |
| Hauptangriffsvektor | Offene Management-Schnittstelle |
| Schwachstelle bei Zugangsdaten | Nicht rückwirkendes PBKDF2-Hashing |
Was ist jetzt zu tun?
Wenn Sie Fortinet-Geräte betreiben, sollten Sie sofort aufhören zu lesen und Ihre Protokolle überprüfen. Die „FortiBleed“-Kampagne lässt nicht nach, und wenn Ihre Management-Schnittstelle zum öffentlichen Internet zeigt, laden Sie die Angreifer praktisch auf einen Kaffee ein.
Hier ist Ihre sofortige Checkliste:
- Öffentlichen Zugriff beenden: Wenn Ihre FortiGate-Management-Schnittstelle aus dem öffentlichen Internet erreichbar ist, trennen Sie sie sofort. Beschränken Sie den Zugriff ausschließlich auf das interne Netzwerk.
- Re-Hash erzwingen: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Ihr Firmware-Update die Arbeit erledigt hat. Sie müssen ein manuelles Passwort-Reset für Ihre Administratorkonten durchführen, um den Übergang zu PBKDF2 zu erzwingen.
- Nach Geistern suchen: Durchsuchen Sie Ihre Protokolle nach Auffälligkeiten. Achten Sie auf unbefugte Anmeldemuster oder Konfigurationsexporte, die dort nicht sein sollten. Wenn Sie diese sehen, gehen Sie davon aus, dass Sie kompromittiert wurden.
- Alles verifizieren: Überprüfen Sie doppelt, ob Ihre Firmware aktuell ist, aber hören Sie dort nicht auf. Bestätigen Sie, dass der Passwort-Aktualisierungsprozess tatsächlich abgeschlossen wurde.
Das Ausmaß dieser Kompromittierung ist eine harte Erinnerung daran, dass Sicherheit nicht nur darin besteht, Patches anzuwenden – es geht darum, die Nuancen zu verstehen, wie diese Patches mit Ihrer bestehenden Umgebung interagieren. Während die Untersuchung von FortiBleed weitergeht, verlagert sich der Fokus von „Wie konnte das passieren?“ zu „Was haben sie sonst noch mitgenommen?“
Betrachten Sie vorerst jedes Fortinet-Gerät in Ihrem Bestand als potenzielle Schwachstelle. Die Ära, in der man davon ausgehen konnte, dass die Firewall eine Festung ist, ist offiziell vorbei.